Henning Schulz, Leiter Unternehmenskommunikatio Stiebel Eltron

Warten auf die Wärmepumpe - Große Nachfrage führt zu Verzögerungen bei Industrie und Handwerk

Seit die Heizungsförderung nach einem kurzen Stopp im Sommer wieder aufgenommen wurde, kann sich die KfW vor Förderanträgen kaum noch retten. Nach den aktuellen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums wurden dieses Jahr im Juli 44.041 und im August 43.159 Anträge bewilligt. 2025 waren es im Juli 22.547 und im August 21.268. Von Januar bis August summiert sich die Zahl der bewilligten Förderanträge für eine Wärmepumpe auf 272.026. Das sind fast so viele wie im ganzen vergangenen Jahr (288.223).

Nach dem nicht so berauschenden Jahr 2025 steuert die Branche jetzt wieder in Richtung Rekordjahr. Doch das bringt auch Probleme mit sich. Denn nicht alle Hausbesitzer, die eine Förderzusage haben, bekommen ihre neue Heizung sofort. Ein Grund sind längere Lieferzeiten bei Herstellern, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergab. 

„Der Wärmepumpenmarkt in Deutschland und weiten Teilen Europas befindet sich aktuell in einem Boom. Im ersten Quartal des Jahres wurden in Europa insgesamt 34 Prozent mehr Wärmepumpen in den Markt gebracht als 2025, in Deutschland lag die Steigerungsrate zur Jahresmitte sogar bei 40 Prozent“, erläutert Henning Schulz. Diesen Trend könne auch Stiebel Eltron bestätigen, so der Pressesprecher des Herstellers. Die Nachfrage sei weiterhin extrem hoch. „Soweit möglich, haben wir unsere Produktion entsprechend angepasst und produzieren aktuell mehr Wärmepumpen als jemals zuvor. Dennoch lassen sich Lieferzeiten angesichts der hohen Nachfrage zumindest für die am stärksten nachgefragten Produktserien nicht vermeiden, zumal auch die Vormaterialien und insbesondere spezielle Wärmepumpenkomponenten, die von allen europäischen Herstellern zugekauft werden, stark nachgefragt und nicht kurzfristig in entsprechend höheren Stückzahlen verfügbar sind“, berichtet Schulz. 

Austria Email nennt aktuell eine Lieferzeit von fünf Wochen. „Lieferengpässe haben wir in dem Sinne nicht, aber einen hohen Auftragseingang insbesondere bei Brauchwasserwärmepumpen, was natürlich zur Folge hat, dass wir die Lieferungen aus der Produktion gut koordinieren müssen, ohne zu viel Bestand vorzuhalten“, so Aline Grosser vom Marketing. 

Auch Vaillant bestätigt die drastisch angestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen seit dem Frühjahr 2026 in Deutschland. „Die hohe Nachfrage führt zu einer starken Auslastung der gesamten Branche. Gemeinsam mit unseren Lieferanten arbeiten wir mit Hochdruck am weiteren Ausbau unserer Fertigungskapazitäten. Wir gehen davon aus, dass sich die Liefersituation im Laufe des Herbstes wieder deutlich verbessert. Bis dahin kann es bei einigen, sehr stark nachgefragten Modellen, vorübergehend zu längeren Lieferzeiten als gewohnt kommen“, sagt Vaillant-Pressesprecher Jens Wichtermann. 

Auch Bosch beobachtet nach den Worten von Michaela Hueck derzeit eine steigende, hohe Nachfrage, die zu deutlich längeren Lieferzeiten führen könne. Wie andere Hersteller verweist die Sprecherin auf ein weiteres Problem: „Zum anderen sind viele Handwerksbetriebe aktuell sehr stark ausgelastet, wodurch sich die Terminverfügbarkeit für Installation und Inbetriebnahme teilweise länger verzögert. Diese Kombination kann leider dazu führen, dass Projekte nicht so zeitnah umgesetzt werden können, wie es sich alle Beteiligten wünschen.“ 

Die Kombination vieler Faktoren wird seitens des Handwerks bestätigt. Eine kurzfristige aktuelle Befragung einiger Betriebe in Nordrhein-Westfalen zeigt nach den Worten von Natascha Daams, dass einige Betriebe derzeit keine Ware erhalten und es Lieferschwierigkeiten unterschiedlichster Partner gibt. Dadurch würden Projekte auf 2027 verschoben, berichtet die Geschäftsführerin Kommunikation des Fachverbandes SHK NRW. Dazu gebe es Betriebe, die ohnehin volle Auftragsbücher hätten. 

In Bayern haben sich die Vorlaufzeiten nach Einschätzung von Dr. Wolfgang Schwarz, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes SHK Bayern, von 11 auf 13 Wochen erhöht. Ein Grund sei auch, dass der Heizungstausch zur Wärmepumpe länger dauere als der Wechsel einer Gasheizung. „Die Vorlaufzeiten sind aber ganz normal und nicht dramatisch“, ordnet Schwarz die Situation ein. Im Moment tausche ohnehin nur der seine Heizung, der es müsse. Während der Heizperiode baue niemand seine Heizung aus. Im Bezug auf die Antragszahlen komme hinzu, dass viele sich die aktuellen Fördersätze sichern möchten, weil der Zuschuss ab dem 1. Januar 2027 sinkt.

Gleichwohl raten Industrie und Handwerk den Verbrauchern, jetzt den Auftrag für den Heizungstausch zu erteilen. Denn damit sichert man sich den höheren Fördersatz – und für die Umsetzung des Projektes hat man drei Jahre Zeit. 

Biomasse rückläufig

Die Förderanträge für Biomasse-Heizungen liegen leicht unter dem Vorjahresniveau. Im Juli dieses Jahres wurden 2.294 Förderanträge bewilligt, im August 2.034. 2025 waren es im Juli 2.050 und im August 1.796. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurde die Förderung für ingesamt 17.075 Biomasse-Heizungen zugesagt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 18.781.